SOLONG – NEWS 10. Folge

Zurück in Venezuela

Puerto la Cruz, 3. November 1999

Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte

Wir sitzen wieder seit sage und schreibe zwei Wochen in der Centro Marino de Oriente in Puerto la Cruz und warten einmal mehr auf Ersatzteile aus den USA. Es wird zwar alles per DHL oder FEDEX versandt, weil schnell und sicher, aber manchmal ist die Lieferung verkehrt, dann geht alles wieder zur|ck und vis versa.

Also, am 20. Oktober 1999 sind wir in Z|rich um 04.30 Uhr aufgestanden und ziemlich genau nach 24 Stunden effektiver Reisezeit hier unten ins Bett gesunken. Unser Schiff war immer noch an Land aufgebockt, wie vereinbart, der Unterwasseranstrich gegen Algen und Schnecken ausgef|hrt, aber von der Decks- und Bordwandreinigung war nichts zu sehen, daf|r befand sich unser Schiff nicht nur unter Deck, sondern auch oberhalb in grausam schmutzigem Zustand. Immer wieder m|ssen wir uns vor Augen halten, dass hier in S|damerika die schweizerische P|nktlichkeit und Zuverldssigkeit nicht so gelten . Gorky verbrachte die erste Nacht ganz allein auf dem Schiff, der Arme, weil er nicht ins Hotel durfte wie wir. Zur freudigen \berraschung krochen dort keine Ameisen oder dhnliches |bers „Nachttischli" und beim Aufschlagen der Bettdecke sprang uns auch keine Eidechse entgegen, auch klopfte niemand mitten in der Nacht zweimal an die Zimmert|r und liess mein Herz in die Hose fallen, so wie bei der \bernachtung vor der Heimreise. Es handelte sich damals um ein billiges Hotel, weil wir den Hund mitnehmen mussten und nach langer Sucherei eines gefunden haben welches Hunde akzeptierte. Der Jet-Lag machte uns diesmal ziemlich zu schaffen, kombiniert mit einer starken Erkdltung bis in die Bronchien. Der Klimaschock ist nicht zu beschreiben. Es herrscht nur noch im Death-Valley eine grvssere Hitze als hier. Die Klimaanlage funktioniert non-stop, damit wir nicht austrocknen wie die Kvrperkulturen in Basel, und die Kvpfe k|hl bleiben. Dazu mischt sich eine „very unusual" Feuchtigkeit, sagen die Venezolaner, weil auch hier der Regen grosse \berschwemmungen verursachte und ca. 50 000 Leute in Puerto la Cruz obdachlos wurden. Normalerweise herrscht hier sehr trockenes Klima. Wir dachten, dass es im Oktober bereits etwas k|hler sein m|sste als im Juli, aber das ist weit gefehlt. Es ist die Feuchtigkeit, die einem schafft.

Am nächsten Tag, immer noch auf Trockendock, schloss Daniel die Batterien wieder an, das verursachte keine Probleme, aber die Navigationselektronik ist ausgestiegen sowie das Satelliten-Telefon. Der „Autohelm"-Vertreter (so heisst die Marke unseres Navigationssystems) hier unten stand ahnungslos da mit seinen dunkelbraunen Augen. Dann erschien ein anderer, auch braundugiger „Autohelm"-Vertreter. Der wollte ganz schnell zu Hause in seinen B|chern nachlesen. Nachdem wir anderthalb Tage nichts mehr von ihm gehvrt hatten, suchte Daniel selber einen ganzen Tag lang nach der Fehlerquelle, er erhielt einen Hinweis aus Manchester (USA), und wurde schliesslich f|ndig. Bis zur Problemlvsung bedeutete dies f|r mich ein ganz schweigsamer Tag, aber dann endlich wusste Daniel, welches Ersatzteil er bestellen musste. Wieder auf dem Wasser, konnte der Wassertank aufgef|llt, ausgepackt, geputzt und gew|tet werden. \brigens, unser Drucker macht auch keinen Wank mehr, ebenso das Vakuumierungsgerdt. Die Badezimmergarnituren, die Kleiderb|gelhaken und alles was nicht aus rostfreiem Stahl angefertigt ist, weist Rostspuren auf. So ein in die Ecke gestelltes Schiff, bereits nach drei Monaten wieder auf Vordermann zu bringen, ist recht m|hsam und arbeitsintensiv und es muss mit Reparaturen gerechnet werden. Jetzt warten wir zum zweiten Mal auf ein Ersatzteil aus den USA f|r unser Satellitentelefon. Erst dann kvnnen wir endlich hier losfahren. Dies wird vermutlich und hoffentlich fr|hmorgens des 5. November geschehen. Weil wir hier soviel Zeit verloren haben, m|ssen wir Trinidad auslassen und gleich wieder zur|ck nach Grenada segeln, resp. motoren, da vermutlich gegen Wind und Wellen, damit wir ca. am 10. Dez. in Antigua sind. Hier wird dann endlich unser bereits im Mai bestelltes Sonnendach montiert, wozu die Antigua-Sails etwa eine Woche benvtigen. Es ist das perfekteste Sonnendach, welches weit und breit zu finden ist. Dies f|r Interessenten. Es ist nicht gerade billig, besonders, da es f|r uns bereits die zweite Anschaffung ist. Das in Europa gekaufte weist bereits an drei Stellen durchgescheuerte Lvcher auf. Hier in der Karibik muss man mit regelmdssigen 4 bis 6 Bf (Windstdrken) rechnen und das halten nur Sonnenddcher aus die hart gespannt sind und daher nicht flattern. Deshalb ist z.B. jede Fahne nach einer Saison ausgefranzt. Ebenfalls in Antigua besucht uns Nicole vom 18. bis 26. Dezember auf dem Schiff, schvn „gdll"!!!!!!!!

Venezuela ist eigentlich nicht ausger|stet f|r Langfahrtensegler. Es gibt kaum Schiffszubehvr zu kaufen, oder Seglerkarten, dabei sind die Kandle – dhnlich Venedig oder Port Grimaud - hier unten |berf|llt mit Segel- und Motorbooten. Es gibt noch so viele L|cken um Geschdfte zu betreiben, man m|sste nur wissen und vielleicht auch wollen, diese L|cken auszuf|llen. Leider blieb uns ein Ausflug ins Landesinnere versagt, da man sich mit Hunden halt etwas schwer tut. Holen wir als Fussgdnger spdter nach. Tiere werden in fast keinen Hotels akzeptiert und immer in eine sog. „Knelle" wollten wir auch nicht. Es hat halt alles seine Vor- und Nachteile.

Hiermit beantworte ich noch zwei Fragen:

Was ist Ciguatera? Der Name dieser gef|rchteten Krankheit, die durch den Genuss bestimmter Fische hervorgerufen wird, entstammt der kubanischen Bezeichnung f|r das Gift von Seeschlangen. \berall auf der Welt, wo es Riffe gibt, kann es auch Ciugatera geben. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass sich auf abgestorbenen Korallen Algen ansiedeln kvnnen, die ein Toxin bilden. Manche Fische fressen diese Algen, und das Gift gelangt dann direkt oder durch die Nahrungskette zum Menschen. Wdhrend der Inkubationszeit von ca. 6 Stunden versp|rt man ein Kribbeln an Mund und Zunge und Hautjucken. Auch treten neben anderen Symptomen Umkehrungen bestimmter Sinneswahrnehmungen auf. So wird kalt als heiss empfunden und umgekehrt. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zu Ldhmungserscheinungen, Krdmpfen und Sehstvrungen, in Einzelfdllen mit tvdlichem Ausgang. (entnommen aus „Segeln in der Karibik")

Wie bewegt sich Silvia auf dem Schiff? Seit einer Weile habe ich festgestellt, dass diese Frage vielen Leuten, die mich kennen, auf der Zunge kleben bleibt. Einige wenige fragen direkt. Leider habe ich keine Bleistiftpostur, bewege mich aber trotzdem seitlich, vor- und r|ckwdrts, hoch und runter und so und anders. Spass beiseite, ich war schon immer sehr beweglich und habe damit keine Probleme. Vielleicht springe ich nicht mehr vom Schiff auf den Steg und unterlasse andere, dhnliche Kapriolen. Glieder brechen, Gelenke verstauchen etc. kvnnen sich auch schlanke Leute. Man sollte sich sowieso vorsichtig bewegen auf einem Kahn und ich passe vielleicht noch etwas vermehrt auf. Zu meiner Entlastung: Es gibt sehr viele mdnnliche Segler mit Riesenbduchen, die nur wissen, dass sie F|sse haben, weil sie sie f|hlen, aber nicht, weil sie sie sehen kvnnen...........
Daniel hat in der Schweiz sein Satelliten-Telefon so einrichten lassen, dass die ganze Emailerei |ber diesen Draht laufen sollte, und nun ist halt vorldufig dieses Kommunikationsmittel ausgefallen. Wir besitzen zwar wieder einen Handy-Anschluss, damit man uns g|nstiger telefonieren kann, auch kvnnen wir damit normal Emails empfangen! Wir freuen uns immer mehr auf jede, auch kurze Mitteilung.

Viele liebe Gr|sse und SOLONG

Daniel und Silvia Glur mit Gorky, unserem Bordhund