SOLONG – NEWS 11. Folge

Karibik VIII

6. November - 6 Dezember 1999 - Anker auf am 6. 11.99 in Venezuela |ber Mochima, Isla de Margarita, Los Testigos, Grenada bis in die Tobago Cays bei Mayreau, Bequia, St. Lucia, Martinique, Dominica, Iles Les Saintes, Deshaies, Antigua


Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte

MOCHIMA liegt in einem Nationalpark an der venezolanischen K|ste, bestehend aus einer grossen Bucht mit Seitenbuchten, Bdume bis ins Wasser reichend und weit und breit kein Haus oder eine Menschenseele, ausser ganz hinten ein winziges Dorf mit ein paar Einwohnern, die mit ihren kleinen Holzbooten und starken Ausserbordern von da nach dort surrten und das die ganze Nacht, habe nur auf einem Ohr geschlafen. Es wurde uns empfohlen, nicht alleine in einer Bucht zu ankern, aber wir hatten wirklich unsere M|he ein anderes Segelboot zu finden. Ganz hinten in einer Seitenbucht versteckt, lag eine gepflegte amerikanische Yacht. Zu dieser gesellten wir uns schliesslich. Es wehte hier kein L|ftchen, aalglattes Wasser, viele zwitschernde Vvgel, keine summenden M|cken, sie stachen ohne Vorwarnung. Fr|hmorgens um 06.00 Uhr gings bereits weiter nach

ISLA DE MARGARITA. Wir mussten die ganze Strecke motoren, weil kein Hauch Wind wehte. Da wir eh nur zum \bernachten dort blieben, stvrte uns der sehr unruhige Hafen nur ein paar Stunden. Anderntags motorten wir weiter nach

LOS TESTIGOS. Dass die Retourfahrt von Venezuela bis Grenada gegen Wind und Wellen und gegen Strom sein wird, wussten wir. Es ist meistens so um diese Jahreszeit. Auf Los Testigos wehte ein erfrischendes L|ftchen, das Wasser war ruhig und durchsichtig und der Himmel sternenklar. Wir haben die „Ma Donna"(aus Schweden) nach einem Jahr dort wieder getroffen. Sie segelte auch fast gleichzeitig wie wir ab Mogan |ber den Atlantik. Auf Los Tstigos hat es uns gut gefallen, so dass wir gerne noch etwas hdtten bleiben wollen, nur waren die Windprognosen dementsprechend, dass wir unbedingt lossegeln sollten nach

GRENADA. Je weiter wir aufs Meer hinaus fuhren, desto falscher entwickelte sich die Windrichtung. Stundenlang kn|ppelten wir gegen Wind, Strom und Wellen; der Wind wurde immer stdrker und die Wellen entsprechend hvher. Wir benvtigten f|r effektive 88 Seemeilen wegen des Gegenstromes deren 112 (mal 1.8 = km) und 16 Stunden, wdhrend welchen das Schiff immer wieder in die Wellen krachte. Plvtzlich, morgens um 02.00 Uhr, begann es f|rchterlich zu „stinken" unter Deck. Wir drosselten die Geschwindigkeit und schauten nach, weshalb die Batterien so einen beissenden Geruch verbreiteten. Es war uns unerkldrlich, dass wieder soviel destilliertes Wasser fehlte, haben wir dieses doch drei Wochen zuvor in Puerto la Cruz nachgef|llt. Also nochmals acht Liter Wasser, verteilt auf acht Batterien mit je 6 roten Deckeln = 48 Deckel.

Morgen um 04.00 Uhr warfen wir endlich den Anker in Grenada und gvnnten uns ein paar Stunden Schlaf. Drei Tage spdter zogen wir weiter nach

SANDY ISLAND. Das ist ein ganz kleines Trauminselchen zu Carriacou gehvrend, ca. 150 m lang und 20 m breit mit ein Dutzend Palmen, einigen Mangroven und schneeweissem Sand. Das Wasser verhielt sich sehr ruhig, sodass wir und ein paar andere Segelyachten es wagten, dort zu |bernachten

HILLSBOROUGH, eine Seemeile weiter, wurde ausklariert, weil wir jetzt Grenada verlassen

In UNION ISLAND wurde wieder einklariert, weil die vielen Inseln von hier bis St. Vincent einen neuen Staat bilden: die Grenadinen, hat mit Grenada nichts zu tun. Bei drei Instanzen meldet man sich jeweils an und spdter wieder ab: beim Zoll, der Immigration und dem Hafenb|ro, wobei lange nicht alle B|ros beieinander liegen. Manchmal muss der Skipper bis zum Flughafen. Wir fuhren weiter nach

MAYREAU in die SALT WHISTLE BAY (ich schreibe alle dies Eigennamen aus, weil es Segler gibt, die sich auskennen). Hier ankerten wir bereits schon im Juni. Eine traumhaft schvne Bucht, aber nicht mehr lange. Am darauffolgenden Morgen drangen immer hvhere Wellen in die sonst romantische und gesch|tzte Bucht und plvtzlich entschloss sich Daniel zur Wegfahrt. Das Fr|hst|ck und sogar der Kaffee standen im Cockpit bereit. Wir sind dann wdhrend 30 Minuten um die Ecke gefahren in die gesch|tzten

TOBAGO CAYS. Das Wasser verhdlt sich hier relativ ruhig, weil es auf drei Seiten von einem riesigen Korallenriff (Korallenriffe wirken als Wellenbrecher) umgeben ist und auf der anderen von kleinen, h|geligen Inselchen. Somit werden eigentlich die Wellen von allen Seiten gebremst. Gl|cklich, wer sich hier vor dem Hurricane LENNY verstecken kann!!!! Wir warteten etwa sechs Tage in den Cays. Wdhrend mindestens einer Woche verfolgten wir intensiv verschiedene Seewetterberichte. Der Lenny wurde |ber den US Virgin Islands erwartet, dann drehte er ab zu den British Virgin Islands, seine Laufbahn verlief immer mehr s|dlich. Schliesslich landete er auf St. Martin/Sin Maarten, wo auch unter anderem Yachten sanken, er drehte immer noch weiter s|dlich und verw|stete Antigua (wie stark, werden wir erst noch sehen). Weil der Lenny immer noch s|dlich wanderte und lange nicht auf den Atlantik hinaus abdrehen wollte, bereiteten wir uns und andere Segler vor, von den Tobago Cays nach Trinidad zur|ck zu „fliehen". Wir sind froh, dass diese Massnahme dann doch nicht nvtig wurde. Dieser Hurricane war allerdings ein seltenes Phdnomen: er bewegte sich erstmals seit Jahrzehnten in der karibischen See von West nach Ost – |blicherweise verschieben sich Hurricanes durch den Atlantik von Ost nach West in Richtung Karibik. Folge davon war die Bildung eines mdchtigen Schwells aus Nordwesten, welcher alle sonst gesch|tzten Westbuchten der Karibik verw|stete. Er wirbelte die Karibik dermassen auf, dass von den US Virgin Islands bis hinunter nach Granada und den venezolanischen Inseln grosse Schdden entstanden sind durch die drei bis f|nf Meter hohen Wellen, die wdhrend ungefdhr einer Woche nonstop ans Ufer klatschten oder geradewegs weit |ber die Ufer hinwegrollten und Hduser zum Einst|rzen brachten, ganze Pflastersteinpldtze und Sandstrdnde wegsp|lten, etc. Verschiedene Ankerpldtze besuchten wir vor Lenny und jetzt liegen da |berall grosse Schutthaufen, die darauf warten abtransportiert zu werden. In Grenada wurde ein Kind von so einer grossen Welle ins Meer hinaus gesp|lt, die Tabakfabrik wurde ruiniert, auch sieht man |berall am Ufer herumliegende, total beschddigte Yachten und andere Schiffe. Auf Martinique wurde eine Steganlage mit Tanksdule und Restaurant inklusive Mobiliar gleich ins Meer gesp|lt. Auch viele Hotelanlagen weisen teils grosse Beschddigungen auf. Die kleine Insel Sandy Island, wo wir zwei Tage zuvor bei schvnstem Sonnenuntergang |bernachteten, wurde buchstdblich von den Wellen |berflutet. Ob es diese Insel wohl noch gibt? So wdre noch etliches zu berichten |ber die unglaublich vielen Schdden, welche die Wucht dieser Wellen verursacht haben, weit mehr Schdden als der Lenny selber.

Immer noch befinden wir uns in den Cays (19. Nov. 1999) und warten bis sich das Meer etwas beruhigt hat. Wir kommen uns vor wie zwei Frvsche im Biotop. Es gibt hier keinen Einkaufsladen oder Restaurant. Nur Meer, versteckte Riffe, mini Inselchen und jede Menge schutzsuchender Segelboote.

Morgens um 9.00 Uhr hvren wir eifrig Kurzwellen-Funk, wenn vom Schweizer Hugo der Seewetterbericht bekannt gegeben wird, und Teilnehmer die Situation in ihrem Gebiet |bermitteln und sonstiges Gerede |bers Netz gesendet wird. Ungefdhr 24 Stunden vor dem angek|ndigten Hurricane meldete sich ein Schweizer. Er sei von Norfolk (USA) Richtung Karibik losgesegelt und befdnde sich jetzt ca. 200 Seemeilen nvrdlich von den British Virgin Islsands im Atlantik. Er hdtte eine Motorpanne und keinen Wind. Dies wdre eigentlich nicht so schlimm. Er hdtte lediglich wieder auf Wind warten m|ssen, aber er befand sich genau in der Zugbahn von Hurricane Lenny und sah kein Entrinnen. Damals wusstse man noch nicht, dass Lenny die Richtung immer mehr nach S|den einschlagen w|rde. Dies berichtete der Segler morgens um 9.00 Uhr |ber den Aether. Abends um 20.00 hat man nichts von ihm gehvrt, aber ein Telefongesprdch mit der US-Coastguard hat ergeben, dass er sich und seine Frau hat abbergen lassen, wobei er sein Schiff den Wogen |berliess. Laut einem US-Gesetz soll ein verlassenes Wasserfahrzeug versenkt werden, weil der schwimmende Kvrper eine Gefahr f|r andere Schiffe darstellt. Jetzt mvchten wir Kurzwellen-Funker gerne wissen, was mit dem Schiff wirklich passiert ist.

Ein anderer Schweizer Segler hat bei diesem Wetter auf der Hvhe von Guadeloupe den Mast verloren und es gab keine ruhige Bucht um hineinzugehen. Es bestand noch eine Mvglichkeit im Grand Cul de Sac Marin, aber der Eingang ist mit Riffen gespickt und man sollte sich dort sehr gut auskennen. Via Kurzwellen-Funk wurde ein anderer Schweizer Segler gefunden, der sich in jener Umgebung aufhielt und ihn hineinlotste. Ein Riff ist eine sehr gefdhrliche Sache, nicht f|r eine Stahlyacht, aber Kunststoffschiffe kvnnen wie von einem scharfen Messer augfgeschlitzt werden und innert k|rzestzer Zeit sinken.

Heute ist der 1. Dezember und wir befinden uns bereits seit ein paar Tagen wieder auf MARTINIQUE. Auf dieser Insel kann man fast alles kaufen, was das Herz begehrt und ein Hundeverbot kennen die hier auch nicht. Es ist sehr europdisch. Wir wollten unseren Eindruck |ber Martinique verbessern und haben bei strahlendem Wetter ein Auto gemietet. Eine Stunde spdter regnete es in Strvmen und ununterbrochen wdhrend mehr als zwvlf Stunden, so wie ein Tropenregen halt sch|tten kann. Es gab buchstdblich \berschwemmungen und sogar Tote. Wir sind nicht weit gekommen, haben dann einen Drucker gekauft und unsere Zeit in einem riesigen Einkaufszentrum vertan. Als wir abends zu unserem Dinghy zur|ckkehrten, war dieses bereits halbvoll mit Wasser. Irgendwann sind wir Tropf nass (neue Schreibweise) auf unserem Schiff angekommen, mit Drucker, x Einkaufst|ten und Hund. Ein paar Tage haben wir in Le Marin (Marinique) vor Anker und anschliessend ein paar Tage in der Marina mit der Blue Flame, Reni und Mvtheli, verbracht. Dann haben sich unsere Wege wieder getrennt, um sich spdter hoffentlich wieder in den Bahamas zu kreuzen.

Heute schreiben wir den 5. Dezember 1999. Wir ankern in der Inselgruppe LES SAINTES. Und weil es uns so gut gefdllt, haben wir gleich noch einen Tag angehdngt. Die Schdden halten sich hier in Grenzen. Erstens ist die Bucht nicht so offen und zweitens sind die Hduser hier solider gebaut. Gehvrt dem franzvsischen Departemant an und sind die meist entwickelten Inseln in der Karibik. Die Franzosen aus der „Metropole" schimpfen auch entsprechend, weil sie sehr viele Steuergelder f|r die „Departements d‘Outre-Mer" bezahlen m|ssen, damit sie hier alles haben wie in Frankreich, aber weniger arbeiten m|ssen.

ANTIGUA werden wir am 7. Dezember erreichen und eine Weile dort bleiben bis wieder alles paletti ist. Der Gasherd benvtigt einen Spezialisten. Die Decksluken m|ssen so gedreht werden, damit sie sich nach vorne vffenen lassen. Hier in der Karibik muss der Wind durchs Schiff ziehen kvnnen. Das Schiff wurde aber im Skandinavien gebaut, dort stoppt man eher den Luftzug. Daniel muss nochmals auf den Mast gehisst werden. Guet Nacht!! Das neue Sonnendeck wird fertig angepasst und dann brauchen wir noch ein neues Bimini (permanentes Sonnenddchlein), weil es an einigen Orten zerrissen ist. Auch muss eine Gummidichtug ums Decksluck erneuert werden und ich hoffe dann, dass es weiterhin dicht ist. Die elektrische Oelabsaugpumpe funktionierte nicht mehr, als Daniel den Motorenservice durchf|hren wollte. Er hat buchstdblich vier Stunden lang probiert und geflucht, bis ich vom Zuhvren die Geduld verloren habe, aber wohlverstanden erst nach vier Stunden. Auf Antigua erwarten wir ein grosses Ersatzteilpaket von der Werft. Unsere elektronischen Gerdte funktionieren immer noch nicht alle und wir hoffen, dass sich die entsprechenden Ersatzteile dann wirklich im Paket befinden.

Am 18. Dezember besucht uns unsere Tochter Nicole f|r eine Woche auf dem Schiff, worauf wir uns sehr freuen. Sie arbeitet immer noch auf der Dominikanischen Republik. Unser Sohn Philippe bleibt in Paris und arbeitet zwischen Weihnachten und Neujahr. Er besucht uns zu einem spdteren Zeitpunkt, wenn sich die Flugpreise wieder normalisiert haben und der Millenium-T|rgg vorbei ist. Wir sind eh eine Wanderfamilie und feiern, wenn wir uns alle zusammen treffen. Vielleicht im Februar auf der Dominikanischen Republik bei Nicole. Dann wdren nur schon alle Geburtstagsfeiern nachzuholen.

Wenn ich so Bilanz ziehe |ber die Karibik, dann w|rde ich sagen, dass der s|dliche Teil (vielleicht ab St. Lucia) f|r einen Chartertvrn von zwei Wochen der romantischere, naturbelassenere, wildere, mit sehr schvnem, klarem Wasser zum Schnorcheln und Baden ist, aber auch der einsamere. Mir gefiel diese lange Einsamkeit im S|den nicht so sehr. Es waren doch ungefdhr 2 = Monate, die wir dort unten verbrachten. Leider ist an manchen Orten der schvne Sand jetzt auch weggesp|lt und viele Palmen liegen im Wasser oder dreiviertel der Wurzeln hdngen in der Luft. Ab Martinique beginnt es wieder weltlicher zu werden, wobei nur noch die englischen Inseln etwas unterentwickelt sind.

Wir haben bemerkt, dass einige unter Euch nur ungern unser Gdstebuch ben|tzen weil alle in dieses Einsicht nehmen kvnnen. Philippe hat das Gdstebuch jetzt so eingerichtet, dass nur noch wir Zugang haben. Auch wird uns Euer Gdstebuch-Eintrag automatisch per email zugesandt. Das hat unser Sohn aber ganz toll „hingekriegt. Muchas gracias!!!!!!

Daniel und ich w|nschen von ganzem Herzen ein schvnes und geruhsames Weihnachtsfest so wie einen gegl|ckten „Riesengump" ins Jahr 2 0 0 0.

SOLONG – Daniel und Silvia Glur mit Gorky