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SOLONG – NEWS 12. Folge Karibik IX7. Dezembe 1999 - 10. Februar 1999 - Antigua, Guadeloupe, Antigua, Nevis, St. Martin, St. Maarten, Anguilla, British Virgin Islands, US-Virgin Islands
Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte Ueber den Jahrhundertsturm "Lothar", "Kurt" und/oder "Martin" in Europa haben wir einiges erfahren und nicht wenig gestaunt, was der so alles angerichtet hat. Der Wind verfugt |ber ungeheure Krdfte, die man erst dann richtig erkennt, wenn man selber darin steckt. So klang das alte Jahr bei den einen recht "st|rmisch", bei den anderen wieder ruhiger aus. Schlussendlich verbrachten wir Weihnachten nicht auf Antigua, weil unser Hund diesmal keine Erlaubnis erhielt von Bord zu gehen. So schmuggelten wir ihn trotzdem an einsame Platze mit einem unguten Gef|hl. Nachdem wir 1? Wochen auf unser neues Sonnendach warteten - es ist perfekt und die \bung hat sich gelohnt - segelten wir nach Guadeloupe zuruck. Unsere Tochter hat ihren Flug zu einem Millennium-Preis umbuchen Kvnnen und Gorky geniesst jede Freiheit. Eigentlich war es dort abwechslungsreicher, ist diese Insel doch ungefdhr dreimal so gross wie Antigua. Auf der \berfahrt nach Iles des Saintes hatte unsere Tochter etwas Muhe mit dem ruppigen Seegang. Plvtzlich rduchelte es wahrend der Fahrt schon wieder, aber diesmal aus der Backskiste (vergleichbar mit einer Truhe in der Sitzbank) im Cockpit (ein erhvhter Aussenplatz, wo sich die Besatzung wahrend des Segeln aufhdlt, und wo sich auch das Ruderrad befindet). Unter dieser Kiste ist der Motorenraum und ich dachte schon, dass es jetzt dort unten vielleicht brennt. Daniel stieg ganz eilig hinunter und Nicole und ich leerten bereits die Kiste. Das Rauchlein versiegte dann Gott sei Dank wieder. Der sich im Alternator befindliche Rotor "verschmorzelte", wobei uns diese Reparatur nur! Fr. 1000.-- kostete. Das sind kostspielige Rauchlein!! Eine Folge des Salzwassers im Motorenraum, aber dazu spdter mehr. Zwei Tage sind wir bei den Iles des Saintes vor Anker gelegen, bevor wir in die Marina Pointe-a-Pitre auf Guadeloupe hin|ber segelten. Auch eine ruppige Fahrt, wie |brigens die meisten \berfahrten zwischen den Inseln auch, gespickt mit recht hohen Wellen. Es herrschte allgemeine Unzufriedenheit |ber das Segelwetter. Mit Nicole bereisten wir die Insel per Mietauto. An Weihnachten wollten wir einer rassigen Gospelsong-Messe beiwohnen. Es befanden sich zwar nur Schwarze da, ausser wir drei Weissen, aber es war ein eher langweiliger katholischer Gottesdienst mit lahmen Gesdngen, Guadeloupe ist ja europdisch mit richtigen Kirchen und Glockengeldut. So haben wir uns etwas fr|hzeitiger auf leisen Sohlen ganz langsam davongemacht. Der frvhlichste Gottesdienst mit viel Gesang und musikalischer Begleitung muss jener der Buddhisten sein, haben wir uns sagen lassen. Vielleicht schaffen wir das noch einem solchen beizuwohnen. Ausser auf den Franzvsischen Inseln, gibt es keine richtigen Kirchen und schon gar keine Glocken. Es werden Gottesdienste in gelb-weiss gestreiften Zelten abgehalten, ich glaube das sind die Buddhisten. Es wimmelt nur so von verschiedenen Religionen bei denen die Leute Geborgenheit und sozialen Kontakt suchen. Die Schwarzen summen oft Gospelsongs vor sich hin, sei es im Einkaufsladen, beim Gehen, beim Warten auf der Strasse , beim Verrichten irgend einer Arbeit. Man gewinnt so den Eindruck, das bei den Schwarzen das Singen zum Leben gehvrt, wie bei uns hie und da das Fluchen, aber, aber. Nachdem Nicole wieder abgereist war, ging’s frvhlich weiter mit den Reparaturen. Wir denken, dass uns des Nachbars Blitzschlag in Venezuela auch zugesetzt haben muss. Beweise gibt es keine, nur Vermutungen. Wahrend bei diesem, Fu_ uns unbekannten Nachbarn, so erzdhlte man uns spdter in der Karibik, die ganze Elektronik sowie der Schiffsmotor komplett beschddigt wurden, betraf es bei unserem Boot nur das Navigationssystem, das Satelliten-Telefon, das Batterieladeanzeige-Gerat und vermutlich auch die Batterien. In Guadeloupe wurde nicht nur der Alternator geflickt, auch die sechs 24-Volt Batterien ersetzt. Ein Schiffsingenieur wurde uns ebenfalls empfohlen, ich nenne ihn den "Tuftler", der nach drei Stunden herausfand, wo das Salzwasser in den Motorenraum drang. Salzwasser ruiniert langsam aber sicher alles, was sich in diesem Raum befindet. Im Auspuffrohr entdeckte der Tuftler drei kleine, fast unsichtbare Lochlein. Dort werden Abgase und salziges K|hlwasser gemischt, was ein kaum zu |bertreffendes korrosives Medium ergibt. Dieses Rohr ist etwa 50 cm lang und hat einen Durchmesser von ungefdhr 12 cm. Die Durchlasse wurden provisorisch geflickt, damit wir nach St. Martin zur ndchsten Volvo-Vertretung weiterfahren konnten, weil das neue Rohr zuerst von Schweden dorthin geschickt werden musste. Unsere Fahrt ging wieder von Guadeloupe zur|ck nach Antigua, wo wir nach vier Tage noch ein neues Bimini (permanentes, kleines Sonnendach, welches immer mitsegelt) von den Antigua Sails erhielten. Diesmal haben wir uns f|r ein dunkelblaues entschieden und es ist auch buchstdblich einige Grad k|hler unter diesem Dach sowie sehr viel angenehmer f|r die Augen als weiss. Manchmal macht man erst im zweiten Anlauf das Richtige, auch wenn es sich nur um das Sonnenddchlein handelt. Weiter sind wir nach Jolly Harbour auf Antigua gesegelt, um die Post abzuholen. Dann nach Nevis zur \bernachtung vor Anker. In einem fr|heren Bericht gab ich einmal den Geheimtyp des Four Seasons Hotels mit dem 18-Loch Golfplatz weiter. Unterdessen muss diese Empfehlung wieder zur|ckgenommen werden. Der Hurricane Lenny hat fast die ganze Anlage zerstvrt. Die Exklusivitdt dieses Hotels bestand unter anderem auch darin, dass die Bungalows alle ganz nahe am Wasser gebaut sind. Deshalb wurden diese Kabauschen eine Woche lang mit jeder Welle von Sand aufgef|llt, der jetzt wieder in riesigen Haufen vor den H|tten liegt. Treppen sind eingest|rzt, ganze Pavillons und vieles mehr. Schade. Wird sicher ein Jahr dauern, bis alles wieder aufgebaut ist. Die Fahrt von Nevis nach St. Martin schliesslich dauerte neun Stunden, wahrend welchen wir nonstop gebeutelt wurden. Die Windrichtung stimmte zwar zur Abwechslung, aber diese hohen Wellen!!! Das war ja kein richtiges Hocken mehr auf dem Schiff, und alles freiwillig. Gorky hatte es am schvnsten in seiner Kiste unter dem Tisch. Dort schaukelte es am wenigsten. Er hat ja Gluck, dass ich da nicht hinein passe ! An jenem Freitag befanden wir uns wie abgemacht in der Marigot Bay auf St. Martin, ebenfalls der Volvo- Mecano und das Rohr. Nachdem dieser Auspufftopf aber nicht passte - ware doch zu schon gewesen - nahm er beide wieder mit, um am neuen eine Biegung vom alten anzuschweissen. Also vom Freitag bis Montag manvvrierunfdhig .........das verursachte ein ungutes Gef|hl. Besonders, nachdem der Wetterfrosch Starkwind mit hohem Schwell (D|nung, die in offene Hafen und Buchten hineinlauft) angesagt hatte. Da standen wir nun in einer denkbar ung|nstigen Bucht , ohne entfliehen zu kvnnen. Also musste der alte Topf am Samstag wieder her, damit wir in die Simpson Bay Lagoon fahren konnten. Es war aber des Mecanos freier Tag und der Auspuff hatte er bei sich, hiess es. Vier Stunden lang war Daniel auf der Suche nach diesem Kerl. Er ldsst schon nicht locker, mein Mann. Um 15 Uhr hatte er ihn buchstdblich aus dem Bett geholt, noch nicht ganz n|chtern. Somit konnten wir endlich doch noch blitzschnell die acht Seemeilen um die Ecke flitzen, damit wir bei der letzten Bruckenoffnng um 17.30 Uhr in die Lagune gelangten und ganz zuhinterst in die Marina. Man sagt immer, Ruhe vor dem Sturm, und genauso war es auch. Am Abend fast kein L|ftchen, bis nachts um 03.00 Uhr Starkwind aufkam und der pfiff so, dass es nichts schvneres gab, als sicher vertaut in der Marina im Bett zu liegen. Es war ein junger, hervorragender, absolut von Motoren angefressener Mechaniker, der am Montag topfn|chtern mit dem angepassten Rohr wieder erschien und sechs Stunden auf unserem Schiff verbrachte, um alles, was er noch entdeckte, in Ordnung zu bringen. Manchmal wirkt ein gutes Trinkgeld im rechten Moment Wunder. Dann war da noch der Watermaker-Mechaniker, um ein vom Verschleiss zu ersetzendes Teil auszuwechseln. Er benvtigte elf Stunden dazu, verrechnete uns aber nur f|nf !!! Er war noch nicht so ganz auf der "Hohe", aber auch ein lieber. Ferner erschien noch der Gasherdmensch und reparierte etwas mehr als zwei Stunden. Anschliessend segelten oder schoben wir uns, zusammen mit der "Blue Flame", weiter nach Anguilla. Wir verabschiedeten uns wieder einmal, wie schon einige Male zuvor, mit einem Apero, weil sich unsere Wege hier trennten. Wir erlebten noch nie so einen hohen Schwell wie in dieser Bucht. An Schlaf war |berhaupt nicht zu denken. Also entschlossen wir uns, bereits um Mitternacht nach den Britisch Virgin Islands, genauer nach Virgin Gorda, loszufahren. Wind hatte es keinen, wir motorten die ganze Strecke, was uns nicht stvrte, war es doch f|r einmal keine durchsch|ttelte Fahrt. Der Mond stand voll am Himmel und begleitete uns hell erleuchtet, zusammen mit einer herrlichen Atlantikd|nung - 3 Meter hoch aber ganze 200 Meter von Kamm zu Kamm - friedlich hin|ber. Eine Ankunft im Gorda Sound wie im Bilderbuch. Ruhiges Wasser, wolkenloser Himmel, eine fast ungewohnte Stille. Keine Discos. Nur ein dickes Tau verfing sich wieder in unserem Propeller. Diesmal hatten wir nichts abrasiert, es muss ein frei herum schwimmender "Strick" gewesen sein. Daniel ist schon recht ge|bt in solchen Tauchgdngen. Unsere ndchste Etappe war die Crown Bay Marina in Charlotte Amalie auf St. Thomas, US-Virgin Islands, wo wir uns immer noch befinden. Ein kurzer Stop und dann endlich weiter in neue Gefilde, war unsere Absicht. Nun hat aber Daniel vor einiger Zeit einen Leistenbruch eingefangen. Als wir hier ankamen und in unserem Medizinbuch nachlasen, stand darin, dass dieser Bruch, in zwar seltenen Fallen den Darm einklemmen kann und dann benvtige man innerhalb von 6 bis 8 Stunden drztliche Hilfe. Dies ist beim Segeln nat|rlich nicht gewdhrleistet, deshalb ist uns das Risiko auf dem Segelschiff in abgelegenen Seengebieten zu gross. Wir haben es vorgezogen, dass Daniel kurz in die Schweiz reist, wahrend Gorky und ich das Schiff H|ten. Eine Woche ist bereits vor|ber und ich bin froh, wenn es mit der zweiten dann auch bald soweit ist. Daniel befindet sich auf dem guten Weg der Besserung und wird am 10. Februar wieder hier sein. Etwa am 12. Februar mochten wir von hier weiter Richtung Culebra, Puerto Rico, Dom. Rep., Bahamas, vielleicht West Palm Beach an der US-Ostkuste. Eigentlich habe ich volles Verstdndnis, wenn sich Nicht-Segler nicht viel oder gar nichts unter unserem Abenteuer vorstellen Kvnnen, auch dann nicht, wenn sie sagen, dass sie jedenfalls nicht ein Jahr lang den ganzen Tag auf dem Deck liegen konnten zum Sonnenbaden. Aber genau das tun wir am allerwenigsten. Auch ich selber habe mir vor unserer Abreise mit dem Schiff nicht so recht vorstellen Kvnnen, was es |berhaupt heisst, Tag tdglich mit so einem Vehikel unterwegs zu sein und wie arbeitsintensiv diese auf dem Wasser fahrende Kiste sein kann. Nicht nur uns trifft es, auch alle anderen Segler haben dieselben Sorgen. Es wird grausam viel Zeit investiert in den Unterhalt und die Reparaturen. Das sollte schon zu Beginn in jedem Kopf stecken, dann verliert man keine Illusionen. Bei welchem Punkt bin ich jetzt eigentlich angelangt? Beim Umdenken, vermutlich. Es existiert da so eine Redensart die besagt, dass es keine kompliziertere, langsamere und unbequemere Art des Reisens gebe, als die mit dem Segelschiff. Daf|r hat man aber sein Zuhause immer dabei. Ferner werden wir immer wieder gefragt, ob wir auch fischen? Diese Frage m|ssen wir mit nein beantworten. Und warum nicht? Weil wir uns nicht einig sind. Die Sache ist so: Es wdre ja wirklich nicht schwierig eine Anglerleine hinten nachzuschleppen. Auch wurde sicher ein Fisch anbeissen, und aufs Deck konnten wir dieses Viech auch noch hissen, aber dann beginnen die Probleme. Was tun mit diesem Zappelfritz, der sich in alle Richtungen windet? Mit einem Schlag auf den Kopf ermorden? Wer, Daniel oder ich? Eigentlich keiner von beiden. Also zappeln lassen. Es gibt da noch den Trick mit dem Gin, um den Fisch zu betduben. Dazu musste man diese glitschige Masse in die Hdnde nehmen, damit der andere den Gin einflossen kann. Aber wer von uns beiden tut das eine und wer das andere? Das wissen wir bis heute nicht. Weiter mussten wir dem Fisch den Bauch aufschlitzen und die Eingeweide herausreissen. Ist ja sonnenklar, wer von uns beiden das nicht tut. Und dann hat man uns gesagt, dass das Deck manchmal so blutverschmiert werde, da loscht es mir sowieso ab. Und "last but not least" habe ich einmal von unserem Deck aus zugesehen, was die Fische sonst noch alles fressen und in was f|r einem gefrd_igen Tempo. Seitdem stinken bei mir alle Meeresfische. Das wdre nun unsere Fisch-Geschichte gewesen. Diesmal hat mein Bericht etwas lange auf sich warten lassen. Aber leider befand ich mich oft nicht in der Stimmung zum Schreiben. Erstens liefen wir hauptsdchlich Marinas an f|r diese stdndigen Reparaturen, und zweitens berichtete ich schon einmal |ber die Karibik. Ferner mochte ich wiederholen, dass wir, besonders |ber die Festtage, nicht immer alle Emails erhalten haben, und dass auch unsere nicht immer durchgekommen sind. Sollte uns jemand geschrieben haben, ohne dass wir jemals antworteten, dann kam ein Email vom einen oder anderen nicht durch. Im voraus besten Dank f|r jeden Hinweis. Anderseits sind wir noch VIELEN Email-Schreiber eine Antwort schuldig. Werden dies sobald als mvglich nachholen. Das Wetter hier ist sosolala. Die letzten paar Tage windstill und herrlich feucht, gestern bis zu 98 % Feuchtigkeit laut Wetterfax von der Marina. Und weil es so feucht war, blieb auch der Himmel bedeckt und dunstig. Alles klebte am Kvrper, so richtig ein wohliges Gef|hlefuhl!!!!!!!!!!!! Wir sind hier in der Marina und da ist es immer gesch|tzter als vor Anker, wo stdndig ein Lebensgeister erweckendes L|ftchen durchs Schiff weht. Daniel ist heute, 10. Februar, wieder auf SOLONG zur|ck, inklusive erfolgreich durchgeschmuggeltem Citterio. Liebe Gr|sse von der SOLONG-Crew Daniel und Silvia Glur mit Gorky, unserem Bordhund |
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