SOLONG – NEWS 14. Folge

Bahamas I

14. März 2000 - 2. April 2000 - Von Samana (Dom.Rep.) nach Great Inagua (ab hier alles Bahamas), Acklin Island, Crooked Island, Long Island, Exumas (George Town)


Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte

Unsere 300 Seemeilen lange Überfahrt war wieder so ein Ding. Der CH-Wetterfrosch in der Karibik meinte, wir sollten das Wetterfenster mit 15 Knoten Wind während den nächsten zwei bis drei Tagen ausnützen und gleich losfahren. Wie gesagt, so getan. 15 Knoten Wind wären herrlich gewesen, soviel hatten wir aber nur bei der Ausfahrt aus der grossen Bucht in Samana, Dom. Rep., danach wehte der Wind immer stärker und die Wellen wurden immer hvher. Der Wind blies auschliesslich zwischen 25 und 35 Knoten, im Schnitt während 40 Stunden 30 Knoten. Für Nichtsegler hat es etwas viele Knoten hier, leider ich kann dies nicht gut erklären, aber es handelt sich um recht starken Wind. Hätten wir das gewusst, wären wir nie aufs Meer hinausgefahren. Da erfuhren wir einmal mehr, dass Wetterprognosen und die Realität oft zweierlei sind.

Wir segelten gerefft immer noch so schnell (zwischen 8 und 9 Knoten), dass wir 8 Stunden früher als berechnet ankamen, anstatt morgens um 10.00 Uhr, in der dunklen Nacht. Die Wellenhöhe betrug zwischen 3 und 4 Meter. Unser Schiff ist ja 25 Tonnen schwer, aber wir tanzten hoch und runter, nach links und rechts, gerade so, wie es diesem Wellengebilde passte. Der Wind blies von achtern (hinten), von wo auch die Wellen anrollten. Während diesen nächtlichen Törns fühlt man sich oft ein wenig einsam beim Wache schieben im Cockpit, denn der andere schläft ja währenddessen seine Runden. Vor dem kleinen Ort Matthew Town, auf der ersten bahamesischen Insel Great Inagua, ankerten wir im Morgengrauen mit recht viel Schwell (man müsste wieder Hund sein und unter dem Tisch schlafen können) und klarierten ein. Vor einem Jahr kostete das nur US$ 10.--, jetzt blättert man US$ 100.- hin. Auf der wüstenartigen Insel befand sich eine grosse Salzgewinnungsanlage, wo fast alle Bewohner des kleinen Ortes arbeiten. Unsere erste Begegnung war der Helikopter der US Coast Guard, der unser Schiff im Tiefflug zweimal umkreiste. Wären wir noch nicht bei den Amerikanern registriert gewesen, dann wäre dies spätestens da geschehen. Sie sind sehr streng in den Bahamas und kontrollieren den Drogenschmuggel. Wir fragen uns, warum die US Coast Guard überall in den Bahamas vertreten ist, nachdem die Bahamas Inseln eigentlich unabhängig sind.Die Man of War Bay ist die einzige, geschützte Bay auf Great Inagua. Sie gehört zu einem unbewohnten Teil der Insel. Es befanden sich nur zwei Schiffe in der Bay, als wir dort ankamen. Wir sind zufälligerweise alle drei gleichzeitig aufgebrochen. Die einen nach Turks and Caicos und der Neuseeländer mit seiner 10 Meter langen, aber sehr schnellen Yacht, sowie wir nach der80 Seemeilen entfernten Acklin Island. Wir kannten den Neuseeländer nicht. Nachdem wir ihn am Strand antrafen, gewannen wir den Eindruck von einem eher knurrigen Seebären mit Bart und ledrigem Krempelhut. Er entpuppte sich später als gar nicht knurrig und ohne Hut etwa zehn Jahre jünger.

Die beiden anderen Schiffe sind früher losgefahren, wir um 5.00 Uhr morgens. Die Kontiki vom Neuseeländer holten wir ein und nachdem wir ca. 4 Seemeilen Abstand hatten, rief er uns über UKW-Kanal um Hilfe, ob wir nicht die Distanz zwischen ihm und uns verringern könnten, er werde von einem Motorboot seit über einer Stunde verfolgt. Er hätte den Kurs in alle Richtungen gewechselt, aber das Motorboot folge ihm überall in einer Distanz von = Meile. Das ist wirklich sehr nahe, wenn man sich die vorhandene Fläche auf dem Meer vorstellt. Das Schiff sehe gefürchig aus, schwarz-grün-blau angestrichen, also Tarnfarben, es befinden sich mindestens drei dunkelhäutige Männer an Bord, evtl. Kubaner, für sie am nächsten gelegene Destination, die ihre Nationale (Landesflagge) nicht bekannt geben, sie sprechen eher spanisch als englisch. Nachdem uns Kontiki aufgerufen hatte, antwortet das Motorboot zuerst, d.h. sie wussten nicht, dass sich noch ein anderes Boot in der Nähe befand. Es war ein echter Zufall auf so einer einsamen Wegstrecke zwei Segelschiffe anzutreffen. Wir verringerten dann den Abstand, aber nicht zu sehr, wollten wir doch nicht auch noch in die Klauen dieses Bootes gelangen. Es ist bekannt und wird auch geschrieben, dass unscheinbare Segelboote manchmal "gekidnappt" werden, die Crew über Bord geworfen oder so, und das Segelschiff als Drogentransport weiter verwendet. Ich hatte echt Angst, weil mitgehangen mitgefangen (so oder ähnlich). Gott sei Dank behielt Daniel die Nerven. Wir berieten, was zu tun sei. Die Kontiki ihrerseits warf die Maschine an und lief mit voller Besegelung so schnell wie möglich. Meistens sind die kleinen Segelschiffe nicht schneller als Motorboote, aber dieses Mal haben sie sich getäuscht. Das Motorboot konnte die Kontiki nicht einholen. Mit unserem Satellitentelefon riefen wir die Security in Nassau und Inagua an und schilderten die Begebenheiten unter gleichzeitiger Mitteilung unseres Ankerplatzes. Vermutlich hörten die Motorbootfahrer unser anschließendes Gespräch mit der Kontiki über UKW-Funk, was ja gut gewesen wäre. Auf dem Radarschirm und sogar nur mit Feldstecher konnten wir die beiden Schiffe hinter uns gut verfolgen. Am Ankerplatz angelangt, warteten wir auf Kontiki. Dazu musste man um eine Inselspitze herumfahren und 6 Seemeilen hoch. Die Insel ist unbewohnt und in diesem Fall unheimlich. Keine Menschenseele. Bis zur Dunkelheit konnten wir mit dem Feldstecher das Motorboot sehen, welches ganz unten an der Inselspitze, an einem recht ungewöhnlichen Ort, ankerte. Weil wir nicht wussten, ob jenes Schiff auf ein anderes wartete, oder ob es die nahende Dunkelheit abwartete oder unseren Tiefschlaf mitten in der Nacht, (ich hätte eh kein Auge geschlossen und vor Angst geschlottert), sind die Kontiki und wir ohne Schiffsbeleuchtung während den nächsten 5 Seemeilen, aber im Mondschein, die 35 Seemeilen zum nächsten Ankerplatz gleich weitergefahren. Dort befanden sich wenigstens ein paar Häuser und etwa drei Segelschiffe. Wir informierten dann die Security in Nassau wie abgemacht über unsere Weiterfahrt und den Standort des Motorbootes. Zu unserer Beruhigung kreuzten wir die Coast Guard. Morgens um 3.00 Uhr sanken wir endlich ins Bett und schliefen vor lauter Müdigkeit recht gut. Die Adrenalindrüsen taten das ihre, sodass wir es gut 22 Stunden ohne Schlaf aushielten. Ende gut, alles gut, aber ich könnte wirklich auf solche Abenteuer verzichten.

Die Bahamas kann man gut mit Tatzelwürmer vergleichen. Sie sind langgezogene, schmale und niedrige Inseln, in der Mitte ein Band grüner, kleingewachsener Bäume und Sträucher sowie rundherum ein schmaler Sandstrand und viele, viele Riffe (untiefe Stellen mit Korallen). Es ist das sauberste und glasklarste Wasser, das wir bis heute angetroffen haben. Das Wetter ist weniger stabil als in der Karibik. Es kommen regelmäßig Kaltwetterfronten (Daniel meint: Wetterkaltfronten) von Florida, d.h. Starkwind, kühlere Luft, auch Regen. Im Süden, von den Exumas bis Inagua, gibt es teilweise unbewohnte Inseln oder solche mit nur wenigen Einwohnern. Man begegnet nicht vielen Segelschiffen. Aber in den Exumas, (Great and Little Exuma Islands), wo wir uns momentan befinden, ändert sich das schlagartig. Es ist schön und friedlich hier, der schönste Teil der Bahamas überhaupt, sagt man. Hunderte von Segelschiffen befinden sich in dieser Bucht. Hauptsächlich Amerikaner. Viele von ihnen kommen im November hierher mit ihren Motor- oder Segelschiffen, werfen den Anker und bleiben bis im März/April in diesen warmen Gefilden. Die Ankerplätze liegen vor George Town, zwischen zwei Inselgruppen, das heisst recht geschützt. Der grösste Ort auf der Insel hat aber wiederum nichts mit einer Stadt gemeinsam. Klein und eher staubig ist es hier, aber man findet vieles, was der amerikanische Segler braucht. Der Supermarket ist natürlich teuer dafür recht gut bestückt. Es wird alles von Florida per Frachter angeliefert. Die Amis möchten ja bekanntlich auf nichts verzichten, was sie zu Hause auch haben. Sie sind sich nicht an andere Kulturen, Essgewohnheiten etc. wie wir Europäer gewöhnt. Auch die Hotelzimmer in der Karibik sind wie in den USA eingerichtet, damit sich die Amerikaner heimisch fühlen. Am Decksaufbau der Schiffe wissen wir schon von weitem, dass es sich um "USA-ler" handelt, weil die so hoch gebaut sind, dass man darunter in voller Grösse stehen kann, obwohl diese Aufbauten in den Proportionen überhaupt nicht zu den Schiffen passen. Wir hatten schon einige Diskussionen mit ihnen und verstehen manchmal ihre andere Denkweise, manchmal auch nicht. Eines muss man ihnen lassen, sie sind ausgesprochen hilfsbereit und freundlich............ sowie an Hunden interessiert. Schon etwa hundertmal mussten wir erklären, dass Gorky ein wiredhair Dachshund ist. What a nice dog. What's his name?

Wir fahren Morgen, am 3. April, weiter Richtung Norden und werden ungefähr in 10 Tagen in West Palm Beach, Florida, ankommen.

Liebe Grüsse von der SOLONG
Daniel und Silvia Glur mit Gorky