SOLONG – NEWS 18. Folge

US-OSTKUESTE III

9. April - 27 Mai, 2001 - Von Essex (Connecticut), Long Island Sound, East River, Manhattan (New York), Sandy Hook, Atlantic City, Cape May, Delaware Bay, Chesapeake & Delaware Canal, Chesapeake Bay, Annapolis, St. Michael's und Oxford (Maryland)


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Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte

Die Zeit vom 6. November 2000 bis 9. April 2001 haben wir in den Schweizer Bergen verbracht. Unsere zwei Leben könnten gegensätzlicher nicht sein. Entweder etwas stressig zu Lande oder via Schneckenpost zu Wasser. An unserem Ankunftstag am 9. April in den USA herrschte zum ersten Mal sehr mildes Wetter. Aber das Frühlingserwachen verschwand genau so schnell wieder und es wurde bis zu 0 Grad kalt. Tag und Nacht heizten wir das Schiff. Es herrschte eine wohlige Wärme unter Deck, und die während des Winters reparierte Heizung, funktioniert einwandfrei. Im Winter stand das Schiff auf dem Trockenen und wurde mit einer Plastikhülle eingepackt, man sagt dem „shrink wrap". Im Frühling haben wir das Schiff wieder in tadellosem Zustand angetroffen, die Risse in der Bilge (Ort unter dem Fussboden) wurden geflickt und einige andere Sachen verbessert. Aber es muss viel Staub gegeben haben, nachdem was wir gehört und später auch gesehen haben. Das ganze Geschirr, die Gläser, sämtliche Bettwäsche, Frottierwäsche, Küchentücher und vieles mehr wurden von der Reinigungsequipe nach Hause genommen zum Waschen. Unsere Yacht war die Einzige auf Langfahrt mit so viel Ware unter Deck. Nachdem die Temperaturen langsam anstiegen, wagten wir es auch die Segel anzuschlagen, das Winterverdeck und die Fender auf dem Steg zu schruppen sowie viele andere Decksarbeiten auszuführen, die vor der Abfahrt notwendig waren.

Am 26. April, bei kaltem aber sonnigem Wetter, warfen wir die Leinen los. Mal unter Segel, mal mit Motor fuhren wir ganz gemütlich durch den Long Island Sound, wo wir abends in schönen, stillen Buchten ankerten. Viele Segelschiffe sind noch im Winterlager. Meine anfängliche Nervosität hat sich allmählich gelegt. Auch die einsamen Ankerbuchten sind kein Problem mehr, weil man sich recht sicher fühlen kann in dieser Gegend. Und ins Boot habe ich auch wieder mehr Vertrauen. Nach den letzten Erfahrungen sage ich das nur im Flüsterton.

Vom Long Island Sound gelangt man in den East River und fährt an Manhattan entlang bis zur Südspitze, dem Financial District, und noch ein kleines Stück südlicher, bis zur Freiheitsstatue. Dann zurück und um die Südspitze herum, eine Meile hoch im Hudson, wo sich auf der New Jersey Seite, gegenüber dem World Financial Center, unsere Marina befand. Das Schiff lag absolut ruhig im Vergleich zu den Marinas auf der Manhattan Seite, wo die Boote 24 Stunden am Tag rollen wegen des starken Schiffsverkehrs auf dem Hudson River.

War das aber eine eindrückliche, grossartige und unvergessliche Fahrt an all den unzähligen Hochhäusern von New York City vorbei. Wir haben immer wieder gesagt: Gorki in New York!! Ein paar Tage verbrachten wir in dieser immer wieder von neuem faszinierenden, aber lauten, dreckigen und mit Menschen überfüllten Stadt, dann zog es uns weiter. Manhattan ist in der Zwischenzeit recht sicher geworden und auch die Untergrundbahn, den Subway, darf man ohne weitere Bedenken benützen. Auf Ellis Island verbrachten wir einen ganzen Tag, so interessant war das Museum der Einwanderungs-Insel. Absolut empfehlenswert , wenn nicht ein „must".

Anschliessend sind wir 18 sm (Seemeilen) südlich gefahren, um im sog. Sandy Hook, gleich aus dem New Yorker Becken an der Atlantikküste, auf den guten Wind zu warten, der uns die nächsten 85 sm (153 km) möglichst zügig nach Atlantic City blasen sollte. Die Wettervorhersagen stimmten und somit legten wir los. 28 Knoten wehten, und mit den Wellen ging es gerade noch. Trotzdem hockte ich etwas zerknirscht im Cockpit und war echt froh, nach 11 Stunden anzukommen. Am nächsten Tag waren es nur 55 sm (99 km) bis nach Cape May, aber dafür benötigten wir bei 3 Meter hohen Wellen 8 Stunden. Wieder sass ich zerknirscht im Cockpit, jeweils ziemlich müde von der Seekrankheitspille und dem hin und her rollen. Weil es uns einmal etwas flach legte und wieder eine Schublade durchs Schiff flog, verkroch sich Groki eingeschüchtert in die Duschentasse. Es musste ihm sehr gut zugeredet werden, damit er heraus kam, um gleich darauf wieder zu verschwinden. Trotzdem hat er sich sehr gut an seine zwei Leben gewöhnt, dasjenige in den Bergen und das andere auf See. Aber ich bin sicher, er freut sich heute schon wieder auf Pany.

Nach den zwei Tagen auf dem Atlantik sind wir die Delaware Bay hinauf gefahren. Eigentlich nichts Sehenswertes. Es herrschte vor allem viel Verkehr mit grossen Tankerschiffen, was volle Aufmerksamkeit verlangte. Vereinzelte Häuser säumen die Ufer der öden Landschaft. Die Ankerbucht hingegen, sie war eher als Tümpel hinter einem Schilf- und Grasgürtel zu bezeichnen, erwies sich als romantisch. Kein anderes Schiff weit und breit in Sicht. Dies soll sich aber schlagartig ändern, sobald die Hochsaison der amerikanischen Bootsleute beginnt, und das wird am letzten Maiwochenende in Verbindung mit dem Memorial Day, der Fall sein. Dann sieht man weit und breit nur noch Segel- und Motorboote.

Von der Delaware Bay bogen wir in den D & C Canal (er nennt sich so, heisst aber ausgeschrieben : Delaware and Chesapeake Canal),der mich an den Nord- Ostseekanal zwischen Kiel und Brunsbüttel erinnert. Eine friedliche Fahrt bei ruhigem Wasser und Sonnenschein. Wir fuhren an Wohn- und Ferienhäuser vorbei, Restaurants und kleinen Marinas. In der Chesapeake Bay angekommen, öffnete sich eine weite Bucht. Für die Nacht suchten wir einen ruhigen Ankerplatz, ca. 13 sm vor Annapolis.

Annapolis ist nicht gross, aber ein absolutes Mekka für Segler und Motorbootfahrer. Man findet einfach alles, was ein Schifferherz begehrt und seit längerer Zeit auch sucht. Zudem ist hier die US Navy Academy beheimatet mit mehreren Tausend Offiziersanwärtern. Das Studium dauert 4 Jahre. Diese jungen Leute bringen unglaublich viel Leben in die Stadt und an Touristen fehlt es hier auch nie. Es lebe aber die Vorsaison. Wir haben einen Deutschen mit Schweizerpass kennengelernt, der seit ein paar Jahren hier wohnt und mit grossem Erfolg (so sagte er wenigsten) Illi Kaffee importiert. Sein früherer Wohnort in der Schweiz befand sich in Thalwil. Ist die Welt doch klein. Er schleppte uns an eine private, sonntagnachmittägliche Rotary-Party mit. Es ist immer interessant mit Leuten fremder Länder in Kontakt zu kommen und von ihrem Lifestyle etwas zu erfahren. Fünf dem Rotary-Club von Dehli angehörende Inder befanden sich auch unter den Gästen. Sie wurden von amerikanischen Rotary-Mitgliedern betreut. Und um den Abend abzurunden, kochte ich nachts um 23 Uhr noch Spaghetti auf dem Schiff.

Nach fast einer Woche Annapolis wollten wir uns wieder verschieben und sind nach nur drei Stunden in St. Michael's angekommen. Hier sind wir nun vor Anker und geniessen die Ruhe. Die Ortschaft ist klein und trotzdem sehr touristisch, speziell wegen dem Maritime Museum. Auch wurden und werden hier immer noch Enten leidenschaftlich geschossen. Das Wetter bei uns ist momentan grau in grau und seit über einer Woche recht kühl, nachdem es ein paar Tage lang 30 Grad heiss wurde. Es herrschen ähnliche Wetterverhältnisse wie in der Schweiz.

Am 21. Mai sind wir in Oxford angekommen und lagen vor Anker. Aus der Kaltfront wurde über Nacht eine Warmfront. Die Temperaturen stiegen schlagartig von 15/20 Grad auf 30. Die Luft war zum abschneiden und jede Bewegung schweisstreibend. Ständig redete der Seewetterbericht von „thunderstorms". Weil diese in der Chesapeake Bay so berüchtigt sind, und wir letztes Jahr in Norfolk einen unvergesslichen Sturm erlebten, verzogen wir uns in eine nahegelegene Marina. Es wurde mir wohler. Wir kennen Schweizer in der Karibik, deren Schiff von einem Blitz getroffen wurde. Seitdem eilen sie immer aufs Schiff, sobald ein Gewitter droht und schalten sämtliche Navigationsgeräte, sämtliche 12- und 24 Volt Stromquellen aus. Andere Schweizer Segler, mit denen wir regen Email-Kontakt pflegen, haben uns vor etwa zwei Wochen geschrieben, dass in Thailand ein Blitz in ihren Mast eingeschlagen hatte. Es muss ein sehr heftiger Schlag gewesen sein, der ungefähr alles Elektrische und Elektronische, ausser dem Motor, zerstörte. Sie befinden sich mit ihrem in Frankreich gebauten Schiff in Pukhet. Die Blue Flame hatte einen Kabelbrand und gleichzeitig ein Loch im Dieseltank ungefähr in der Nähe von Belize.

Aber heute ist so ein schöner Tag, ich finde fast keine Worte. Die Kaltfront ist wieder da, das Gewitter hat alles gereinigt, der Himmel stahlblau sowie ein zuverlässig wehendes Lüftchen den ganzen Tag. Das kleine Örtchen Oxford besteht aus nur 850 Einwohner, ist sehr hübsch, topfeben und wäre für eine Velotour super gewesen. Nur müssen wir halt unserem Hund auch etwas Bewegung verschaffen und mit dem Fahrrad geht das nicht. Er ist zu alt, um nebenher zu rennen.

In der Schweiz hat mich jemand nach dem „Painkiller"-Rezept gefragt, jetzt weiss ich nicht mehr, wer das war. Deshalb hier für alle:

Secret formula von Jubilaeum's PAINKILLER

EIN FANTASTISCHES GETRÄNK !!!!!

¼ Orangensaft
¼ Ananassaft
¼ Malibu Kokosnusscreme
¼ Rum

Eiswürfel beigeben und Muskatnuss darüber streuen sowie Liegestühle bereitstellen, denn nach zwei solcher „gesüffiger" Longdrinks möchte man sich bestimmt hinlegen. Es sei denn, unser Seglerfreund hat mehr Rum verwendet bei uns, als hier im Rezept angegeben. Also ich jedenfalls musste mich etwas flach legen.


Die Fortsetzung unserer Reise wird folgendermassen aussehen: Ende Mai zurück nach New York, dort wird der Mast gelegt, damit wir im Hudson River unter den Brücken hindurch kommen. Anschliessend folgt der Erie-Kanal mit seinen vielen Schleusen. Von dort geht's in den Lake Erie (Buffalo), wo unser Mast wieder aufgestellt wird. Ferner geht die Reise weiter nach Toronto, wo unser Sohn Mitte Juli eine Familienzusammenkunft organisiert mit den Eltern von Yasuko, die aus Japan anreisen und wenn es unsere Tochter schafft, wird auch sie mit ihrem neuen Freund dabei sein. Danach segeln wir bis anfangs Oktober in den „Great Lakes" weiter bis wir unser Schiff in der Thunder Bay am Lake Superior, auf einen Truck verladen, der nach Vancouver gefahren wird. Das wäre das „ohne Zwischenfall-Programm".


Viele liebe Grüsse von der SOLONG - es freut uns jede Mitteilung !!


Silvia der Verfasser
Daniel der Durchleser
Gorki, der „Super Dog"

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