SOLONG - NEWS 21. Folge

In der Schweiz...

Seit dem 2. Oktober 2001 bis ungefähr Mai 2003


Hallo Freunde, Verwandte und Bekannte

Nicht nur die Swissair hat ein Grounding hinter sich, auch bei uns könnte man das so nennen. Ursprünglich war alles geplant: der Rückflug nach Toronto im Mai 2002 gebucht, der Transfer unseres Schiffes bis nach Vancouver organisiert ebenso das Wohnmobil, mit dem wir von Toronto bis an die Westküste, das heisst fast durch ganz Kanada gefahren wären, um unser Schiff dort in Empfang zu nehmen. Doch es kam alles ganz anders.......

Daniel hatte manchmal Müdigkeitsattacken und eine mehrwöchig dauernde Erkältung. Anfangs April wurde er gelb, zuerst in den Augen, dann am ganzen Körper. Eine Hepatitis wurde ausgeschlossen, da wir der Reiserei wegen gegen A und B geimpft sind. Dann ging es rassig. Nach einem Ultraschall am Abend, Einweisung ins Churer Kantonsspital am anderen Morgen früh zur näheren Untersuchung. Eine Sonde führte durch den Mund und den Magen bis in die Bauchspeicheldrüse. Es war also kein Stein, der den Gallengang verstopfte und die Gallenflüssigkeit beim Ablaufen hinderte, sondern ein bösartiger Tumor, der sich als Bauchspeicheldrüsenkrebs entpuppte. Dass die Untersuchung in den meisten Fällen eine Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen würde, war uns bekannt. Zusammen mit der Leberentzündung eine happige, sehr schmerzhafte Angelegenheit. Es war schon ein Schock mit anzusehen, wie ein sonst immer gesunder, kräftiger Mann plötzlich so leiden musste. Drei Wochen später, also anfangs Mai, wurde Daniel im Triemlispital während acht Stunden operiert. Die beiden Entzündungen waren noch nicht abgeklungen, aber man wollte nicht länger zuwarten. Es wurden ihm die ganze Bauchspeicheldrüse, der Zwölffingerdarm, die Gallenblase, der Gallengang, etwas vom Magen und ein Stück Darm entfernt. Da man ausser in drei Lymphgefässen keine weiteren Metastasen vorfand, war die Operation überhaupt möglich. Der Chirurg hat uns am Abend vor der Operation darauf hingewisen, dass er bei einer Patientin mit der gleichen Diagnose wieder unverrichteter Dinge zunähen müsste, da die ganze Leber mit winzigen Tumoren übersät war, die man auf dem Computertomogramm, ihrer kleinen Dimensionen wegen, nicht sah. Erst ab einer Grösse von etwa einem Zentimeter sind Tumore erkennbar. Der Spitalaufenthalt verlief natürlich nicht ohne Komplikationen und dauerte 3 1/2 Wochen, dann folgten weitere 3 Wochen Erholungskur in Mammern am Bodensee, 1 Woche Vorbereitung für die 5 ½ - wöchige, tägliche Strahlentherapie. Anschliessend Erholung in Pany, um wieder mehr oder weniger auf die Beine zu kommen für die Chemotherapie. Die erste Chemo-Phase ist bereits vorüber. Dazu müssen wir eine Woche lang täglich für eine Spritze ins Triemlispital nach Zürich. Während dieser Behandlung beginnt bereits die unglaubliche Müdigkeit, die sich über zwei weitere Wochen erstreckt. Jetzt, in der dritten Woche danach, fühlt sich Daniel wieder recht gut. Am nächsten Montag, 30. September 2002, startet die zweite Chemo-Phase. Die ganze Chemotherapie besteht aus vier Phasen, von September bis Dezember.

Glücklich und erleichtert sind wir, dass es Daniel so gut geht, und er trotz der grossen Strapazen positiv auf die verschiedenen Eingriffe und Therapien reagiert hat. Die Angst war gross, Daniel zu verlieren, um so mehr als es sich um einen hinterlistigen Tumor handelt, den man laut ärztlicher Aussage schlecht in den Griff bekommt. Meistens wächst er still und leise vor sich hin bis man ihn entdeckt und es ist oft zu spät ist etwas zu unternehmen. Dank Daniels eisernem Willen und Durchhaltevermögen, sind wir sehr zuversichtlich. Das Fehlen der Bauchspeicheldrüse machte ihn über Nacht zum Diabetiker Typus I, das heisst fünfmal am Tag Insulin spritzen, was jedoch viel einfacher ist als es klingt und dank dem heutigen Stand der Medizin die Lebensqualität kaum beeinträchtigt.

Durch die ganze Situation habe ich gelernt positiver zu denken und Dinge gelassener zu nehmen. Es gibt dazu ein passendes Sprichwort: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“.

Nicole, unsere Tochter, reiste vom Ausland in die Schweiz, um uns zu unterstützen. Philippe und Yasuko besuchten uns regelmässig aus Lausanne. Wenn die Kinder klein sind, benötigen sie die Eltern, und wenn sie gross sind, brauchen wir sie auch manchmal. Unsere Tochter erwartet Ende September/anfangs Oktober ihr erstes Baby und wir hoffen, dass es Daniel in der dritten Woche (Mitte Okt) nach der zweiten Chemo-Phase gut genug geht, um einen kurzen Sprung zu ihr in die Dominikanische Republik wagen zu können. Gestern fragte mich Daniel, wann ich gedenke nächstes Jahr wieder aufs Schiff zu gehen. Ich meinte im Mai und er denkt an April. Aber da müsste vermutlich zuerst das Eis aufgepickelt werden, um das Schiff aufs Wasser zu setzen! Daniel der Pushy und ich der Bremser.

Unsere SOLONG steht immer noch im Hangar der Doral Marina in Midland (Kanada), geschützt vor Eis und Kälte aber leider nicht vor Staub. Wie es weiter gehen wird, wissen wir noch nicht so genau. Wir wissen nur, dass das Schiff in jedem Fall nach Vancouver muss, ob wir dort nun weiter segeln oder es verkaufen müssen. Es ist zu gross für die “Grossen Seen“, wo es jetzt steht, aber in Vancouver liesse es sich problemlos verkaufen, speziell nachdem dieser Typ von Yachten dort sehr gefragt ist und die Lieferfristen für Neubauten sehr lang sind. Die Zeit wird alles weisen. Man sagt ja nicht umsonst: Kommt Zeit, kommt Rat.

Dies der Stand der Dinge per 23.September 2002.

Allen wünschen wir natürlich gute Gesundheit und würden uns auf ein liebes Wort,
von wem auch immer, freuen.

Seemanns Heil
Daniel und Silvia Glur von der SOLONG mit Bordhund Gorky

Bis anfangs Mai 2003 (wenn nichts dazwischen kommt):

Daniel und Silvia Glur
Neugaden
CH-7243 Pany